Geschichte

Die Bayerische Akademie der Wissenschaften wurde 1759 von Kurfürst Maximilian III. Joseph gegründet. Schon seit Beginn des 18. Jahrhunderts hatten in Bayern gelehrte Geistliche und Laien Anschluss an die europäische Akademiebewegung gesucht. Allerdings war der 1720 gegründeten "Academia Carola Albertina" kein langes Leben beschieden, ebenso der 1722 gegründeten Gesellschaft "Parnassus boicus oder neueröffneter Musenberg", von deren gleichnamiger Zeitschrift bis 1740 fünf Bände erschienen. Auf den Parnassus boicus nimmt die Gründungsurkunde der Akademie von 1759 ausdrücklich Bezug. Dass es schließlich zu dieser Gründung kam, ist den unermüdlichen Bemühungen des Hofrats am Münz- und Bergkollegium in München Johann Georg von Lori (1723–1787) zu verdanken. Am 12. Oktober 1758 gründete er in München die Bayerische Gelehrte Gesellschaft. Sein Ziel war von Anfang an die Erhebung dieser Gesellschaft in den Rang einer kurfürstlichen Akademie, die der Forschung und dem wissenschaftlichen Fortschritt dienen sollte. Bereits nach einem halben Jahr hatte die Gesellschaft 88 Mitglieder gewonnen. Erster Präsident wurde der Vorsitzende des Münz- und Bergwerkskollegiums, Sigmund Graf von und zu Haimhausen, der den Weg zum Hof und zum Kurfürsten ebnete.

Kurfürst Maximilian III. Joseph von Bayern (1727–1777), Gründer der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

Kurfürst Maximilian III. Joseph von Bayern (1727–1777), Gründer der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

Am 28. März 1759 unterzeichnete Kurfürst Max III. Joseph den Stiftungsbrief, die Statuten der Akademie bestätigte er am 25. Juni 1759. Von Anfang an wählte die Akademie ihre Mitglieder ohne Ansehen von Religion und Vaterland. Von den 88 Mitgliedern des Jahres 1759 waren 19 Protestanten – dies zu einer Zeit, in der in München kein Protestant das Bürgerrecht erhalten konnte.

Die Mitglieder teilten sich in zwei Klassen, eine Historische und eine Philosophische – Philosophie hier im alten Sinne allgemeiner Wissenschaftslehre, wozu auch Mathematik und Physik gehörten. Die Akademie wurde zunächst im Mauthaus, nach 1783 im Wilhelminum, dem ehemaligen Kollegiengebäude des aufgehobenen Jesuitenordens an der Neuhauser Straße, untergebracht und aus den jährlich eingehenden „Calenderstempelgeldern“ unterhalten. Ihre Aufgabe war es, "alle Sachen mit Ausnahme der Glaubenssachen und politischen Streitigkeiten die immer mit dem Land eine politische und natürliche Verbindung haben (…), zu Gegenständen der Untersuchung zu nehmen."

Ehemaliges Jesuitenkolleg in der Neuhauser Straße, Sitz der Bayerischen Akademie der Wissenschaften von 1783 bis 1944.

Ehemaliges Jesuitenkolleg in der Neuhauser Straße, Sitz der Bayerischen Akademie der Wissenschaften von 1783 bis 1944.

Nach der Säkularisation änderte sich die Struktur der Akademie. Mit der Neuorganisation von 1807 wurde sie von einer freien Gelehrteneinrichtung zu einer staatlichen Zentralanstalt, ihre Mitglieder waren nun hauptberuflich tätige, fest besoldete Staatsbeamte. Außerdem waren ihr zwischen 1807 und 1827 als sog. Attribute die wissenschaftlichen Sammlungen und Anstalten des Staates Bayern angegliedert. Diese "Attribute" wurden nach dem Umzug der Universität von Landshut nach München wieder ausgegliedert und teils einem Generalkonservatorium unterstellt, dessen Vorsitz der Akademiepräsident bis 1936 in Personalunion innehatte, teils mit den Lehrsammlungen der Universität vereinigt. Die Akademie kehrte 1827 weitgehend zu ihrer ursprünglichen Bestimmung – freie Gelehrtengemeinschaft und Forschungseinrichtung – zurück.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Akademie heimatlos geworden. Das Wilhelminum war im April 1944 den Bomben zum Opfer gefallen. Der Freistaat Bayern hat ihr jedoch in dem von Leo von Klenze erbauten Nordostflügel der Münchner Residenz ein neues würdiges Domizil geschaffen, das im Jubiläumsjahr 1959 bezogen werden konnte. Die Akademie verfügt hier über 135 Büro- und Arbeitsräume, eine Bibliothek, zwei Klassensitzungssäle sowie einen repräsentativen Vortragssaal für 420 Personen.

Nordosttrakt der Münchner Residenz (Festsaalbau), Sitz der Bayerischen Akademie der Wissenschaften seit 1959.

Nordosttrakt der Münchner Residenz (Festsaalbau), Sitz der Bayerischen Akademie der Wissenschaften seit 1959.