Da die Überlieferung der mittelalterlichen Handschriften, der wichtigsten Träger der literarischen, religiösen und wissenschaftlichen Produktion des Mittelalters sowie der antiken und altchristlichen Grundlagen des europäischen Geisteslebens, nur einen geringen Bruchteil des einst Vorhandenen darstellt und äußerst ungleich verteilt ist, kommt der ergänzenden Information durch Bibliothekskataloge und ähnliche Dokumente aus dem Mittelalter eine große Bedeutung zu. Sie vermitteln für zahllose Stätten einen direkten Einblick in die Möglichkeiten der Bildung und geistlichen Erziehung sowie in die Breite und Intensität der Studien, sie geben Aufschluss über geistesgeschichtliche Wandlungen und helfen, literarhistorische Probleme zu lösen. Die Sammlung und systematische Veröffentlichung dieser erstrangigen Quellenkategorie ist unentbehrlich um das geistige Erbe des Mittelalters quantitativ zu ermitteln und kulturhistorisch zu beurteilen.

Mönch mit einer Schreibtafel. Aus einer Handschrift des 12. Jahrhunderts. Bamberg, Staatsbibliothek