Kommission für Wissenschaftsgeschichte

 

Die "Kommission für Wissenschaftsgeschichte" wurde 2008 als klassenübergreifende Kommission eingerichtet. In ihren Aufgabenbereich fallen alle wissenschaftshistorischen Unternehmungen der Akademie, u.a. Veranstaltungen (Symposien, Vorträge) sowie die Herausgabe einer Publikationsreihe mit Beiträgen zur Wissenschaftsgeschichte.

Die Wissenschaftsgeschichte erforscht die Entstehung und Entwicklung der wissenschaftlichen Disziplinen mit Hilfe historischer Methoden. Die Fächer, deren Genese untersucht wird, können aus dem Bereich der Geistes-, Natur- oder Ingenieurwissenschaften stammen, jedoch wird der Begriff "Wissenschaftsgeschichte" im universitären Bereich vor allem für die Geschichte der Naturwissenschaften (History of Science) und der Medizin (History of Medicine) verwendet. Lange Zeit hindurch ging die Wissenschaftsgeschichte von linearen Fortschrittsmodellen aus und beschränkte sich im Wesentlichen auf die deskriptive Deutung historischer Schriftzeugnisse und Artefakte mit den Mitteln der jeweiligen Wissenschaftsterminologie. Inzwischen ist sie in historisch-kritische Diskurse eingetreten und bemüht sich, die Wissenschaften in ihren Erkenntnis- bzw. Verfahrensweisen und Zielsetzungen zu analysieren, wobei sie auch Erträge anderer Disziplinen – neben historischen auch politologische, sozial- und kulturwissenschaftliche und philosophische – einbezieht.

Vorhaben Frühneuzeitliche Ärztebriefe

Das erste Forschungsvorhaben der Kommission für Wissenschaftsgeschichte ist das Projekt "Frühneuzeitliche Ärztebriefe". In diesem Projekt sollen die zahlreichen Briefe frühneuzeitlicher Ärzte aus dem deutschsprachigen Raum erschlossen werden, die in vielen deutschen und ausländischen Bibliotheken und Archiven überliefert, bislang aber nur bruchstückhaft erfasst, geschweige denn systematisch untersucht wurden. Für eine Zeit, in der es noch keine Fachzeitschriften gab, sind diese Briefe von hohem medizin- und wissenschaftshistorischen Interesse. Sie spiegeln die Kommunikation und Rezeption neuer Theorien und Entdeckungen. Sie bergen aber zugleich auch vielfältige Aufschlüsse über die geistige und religiöse Welt, den beruflichen Alltag und die sonstigen privaten Verhältnisse der gebildeten Schichten jener Zeit insgesamt. Die Briefe sollen der internationalen Forschung über Regesten und, wo möglich, auch als digitale Reproduktion der Originale mit Hilfe einer über das Internet zugänglichen Datenbank verfügbar gemacht werden.

 

Bernaert van Orley (um 1488–1541)

Bernaert van Orley (um 1488-1541): Dr. med. Joris van Zelle 1519, Musées Royaux des Beaux Arts, Brüssel