Erst im 18. Jahrhundert begann eine ausdrückliche historische Selbstwahrnehmung der Theologie und eine eigenständige akademische Thematisierung der Geschichtlichkeit theologischer Reflexion. Dabei war stets ein starker Gegenwartsbezug bestimmend. Gerade das besondere Interesse an Gegenwartsdeutung und Selbstvergewisserung führte im 19. Jahrhundert dazu, dass im Protestantismus – und auch im modern-liberalen Judentum – der Begriff „Theologiegeschichte“ immer mehr verengt wurde auf die Deutung und Darstellung der Zeit nach der Aufklärung. Seitdem lassen sich im Gebrauch des Begriffs signifikante Differenzen zwischen römisch-katholischer und protestantischer Theologie beobachten, die aus dem divergierenden Verständnis des kirchlichen Dogmas und der unterschiedlichen Öffnungsbereitschaft gegenüber dem historistischen Positivismus der Epoche resultierten. Erst dank massiver Professionalisierungsschübe, zumal seit den 1960er Jahren, löste sich die Erforschung der Theologiegeschichte im deutschsprachigen Raum allmählich aus konfessionellen Befangenheiten und wandte sich mit wachsendem Methodenbewusstsein der Vermessung weiter gespannter historischer Horizonte zu.
Diese Entwicklung reflektiert zu begleiten, wo nötig auch zu forcieren, hat sich die 2004 gegründete Kommission für Theologiegeschichtsforschung zur vornehmsten Aufgabe gemacht. In ihrer Startphase widmet sie sich vor allem – in durchaus programmatisch zu verstehender Konzentration und mit prononciert interdisziplinärem Anspruch – der Kritischen Gesamtausgabe der Werke von Ernst Troeltsch. Später werden sich Forschungsprojekte, Editionsvorhaben und Kolloquien zu Gestalten der Theologiegeschichte und Religionswissenschaft anschließen, von deren konfessionsübergreifender Bedeutung wichtige Impulse gerade auch für die kulturwissenschaftlichen Orientierungsdiskurse am Beginn des 21. Jahrhunderts zu erwarten sind.

Ernst Troeltsch (1865–1923).