Kommission zur vergleichenden Archäologie römischer Alpen- und Donauländer

Die römische Epoche ist für die Entwicklung der europäischen Geschichte von prägender Bedeutung. Eine besondere Rolle spielen dabei die historischen Nahtstellen, als um Christi Geburt die überlegene römische Kultur auf eisenzeitliche Stammesverbände stieß und als sich das römische Reich im 5. Jh. n. Chr. allmählich aufzulösen begann. Diese historischen Prozesse stehen im Mittelpunkt der Kommissionsforschungen. Das Arbeitsgebiet umfasst den gesamten Alpenbogen, das Kerngebiet den mittleren Alpenraum in Nordtirol, Südtirol und im Trentino. In gezielten Ausgrabungsprojekten wird neues archäologisches Quellenmaterial erschlossen, das durch eine ausführliche Dokumentation gesichert und im Rahmen von Regionalstudien in einen größeren geographischen Kontext eingebettet wird. Auf dieser Grundlage gilt es, Kontinuitätsstränge und Kontinuitätsbrüche in allen Lebensbereichen zu rekonstruieren.

Von der jüngeren vorrömischen Eisenzeit in die frühe römische Kaiserzeit (1. Jh. v.–1. Jh. n. Chr.)

Die frühe Übergangsperiode betrifft den Wechsel von der Eisen- zur Römerzeit. Gewöhnlich wird das Jahr 15 v. Chr. mit dem Ende der Eisenzeit und dem Beginn der römischen Herrschaft gleichgesetzt. Damals eroberten die beiden kaiserlichen Stiefsöhne Drusus und Tiberius in einem historisch überlieferten Feldzug die mittleren Alpen zwischen Brenner und Alpenrheintal sowie Teile Süddeutschlands. Im Mittelpunkt der Untersuchungen stehen in der Forschung strittige Fragen nach den Veränderungen der Gesellschaft, des Siedelwesens, der Wirtschaftsweise sowie der religiösen Ausdrucksformen von der unmittelbar vorrömischen Zeit bis zur Etablierung der römischen Militär- und Zivilverwaltung. Dieser Forschungsschwerpunkt wird von Werner Zanier betreut.

Rückseite eines römischen Denars

Die Feldherren Drusus und Tiberius überreichen ihrem Stiefvater Kaiser Augustus Lorbeerzweige als Zeichen ihres Sieges über die Alpenstämme 15 v. Chr. Rückseite eines römischen Denars, geprägt 15/13 v. Chr. in Lugdunum/Lyon.

Von der Spätantike ins frühe Mittelalter (3./4.–7./8. Jh. n. Chr.)

Dieser Forschungsschwerpunkt betrifft die Kontinuität von der Antike zum Mittelalter. Im Mittelpunkt des Kommissionsinteresses stehen dabei vor allem siedlungs-, bevölkerungs- und kulturgeschichtliche Aspekte. Im Arbeitsgebiet der Kommission heißt das: Wie reagierte die römische Bevölkerung im mittleren Alpenraum auf die zunehmend instabilen Zeiten seit dem späten 3. Jahrhundert? Gibt man Siedlungen in Tallage mit ihrer bestens ausgebildeten Infrastruktur zugunsten von vermeintlich sicheren Höhensiedlungen auf? Besondere Bedeutung kommt dabei der Ausgrabung auf dem Monte San Martino (www.small.tn.it) zu. Siedlungen wie diese repräsentieren als charakteristischer Siedlungstyp die Übergangszeit zwischen Antike und Mittelalter. In ihnen bündeln sich die zentralen Fragen, mit denen sich die Kommission im Schwerpunkt Spätzeit beschäftigt. Dieser Forschungsschwerpunkt wird von Marcus Zagermann betreut.

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Gloria Romanorum: Der römische Kaiser Gratianus (367 bis 383 n. Chr.) schleift einen gefangenen Barbaren hinter sich her. Rückseite einer spätrömischen Bronzemünze. Foto: Staatliche Münzsammlung München.