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Offene Wissenschaft an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften

6. Juni 2020

Die Bayerische Akademie der Wissenschaften (BAdW) bekennt sich zum Ideal einer „Offenen Wissenschaft“. Offene Wissenschaft steht für größtmögliche Zugänglichkeit der Forschung, insbesondere den freien Zugriff auf und die freie Nutzung von Forschungsergebnissen.

Was bedeutet „Offene Wissenschaft“?

1. Offenheit der Forschungsergebnisse und der Forschungsdaten

Offene Wissenschaft bedeutet Offenheit der Forschungsergebnisse und der Forschungsdaten.

Die BAdW strebt an, sowohl die Ergebnisse ihrer Forschungsprojekte als auch ihre Forschungsdaten frei zur Verfügung zu stellen. Forschungsergebnisse sind (typischerweise) die im Zuge der Forschung gewonnenen und in Aufsatz- oder Buchform niedergelegten Erkenntnisse. Forschungsdaten sind diejenigen (empirisch ermittelten) Informationen, auf die sich die Forschungsergebnisse stützen, und die zu deren Rechtfertigung und Überprüfung notwendig sind. „Frei“ bedeutet, jeder kann sie herunterladen, jeder darf sie weitergeben, und jeder kann sie in eigenen Forschungsprojekten weiterverwenden solange die Quelle angegeben wird.

2. Freier Zugriff entsprechend der FAIR-Prinzipien

Offene Wissenschaft bedeutet, Veröffentlichung der Forschungsdaten nach den FAIR-Prinzipien.

Die BAdW ist bestrebt, Publikationen, Daten und Forschungssoftware soweit wie möglich als Open Access bzw. Open Source zur Verfügung. Sie orientiert sich dabei an den FAIR-Prinzipien (Free, Accessible, Interoparable, Reusable). Die FAIR-Prinzipien beschreiben wohlbewährte Vorgehensweisen („best practices“) praktisch-technischer, aber auch rechtlich-ethischer Art zur Bereitstellung von Daten und Metadaten (www.go-fair.org/fair-principles/).

Die rechtlichen Bedingungen und technischen Verfahren richten sich dabei an dem Ziel der möglichst leichten Zugänglichkeit und maximalen Nachnutzbarkeit aus. Forschungsdaten der BAdW stehen daher, soweit möglich, unter der Creative-Commons CC-BY 4.0 Lizenz (creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de). Sie werden vollständig sowohl in menschen- als auch in maschinenlesbarer Form bereit gestellt.

Wie setzt die BAdW „Offene Wissenschaft“ um?

1. Freier Zugriff („Open Access“) als Vorgabe

In der Bayerischen Akademie der Wissenschaften gilt der offene Zugriff („Open Access“) als die Regel. Ausnahmen sind möglich, wenn zwingende Gründe das erfordern.

Neue Forschungsprojekte der BAdW veröffentlichen ihre Ergebnisse und Daten grundsätzlich als Open Access, sofern nicht Rechte Dritter das ausschließen (Persönlichkeitsrechte, Datenschutz, Urheberrechte). Gelegentlich wird aus Gründen der Kostenersparnis bei Druckpublikationen eine Schutzfrist („Moving Wall“) bis zur digitalen Veröffentlichung derselben Publikation im offenen Zugriff mit den Verlagen vereinbart. Bei älteren Forschungsprojekten bemüht sich die BAdW in Nachverhandlungen mit den Verlagen die zeitnahe Freigabe der Publikationen zu erreichen. Dadurch wird es möglich, auch „Jahrhundertwerke“ wie z.B. den Thesaurus Linguae Latinae (thesaurus.badw.de), das Reallexikon der Assyriologie (rla.badw.de) oder die Max-Weber-Edition (mwg-digital.badw.de/), nach und nach kostenfrei ins Netz zu stellen.

2. Digitale Publikationsangebote und praktische Unterstützung

Die BAdW unterstützt Ihre Forschungsprojekte mit digitalen Publikationsmöglichkeiten und technischer Hilfe bei der Umsetzung der Prinzipien offener Wissenschaft.

Der Publikationsserver der BAdW (publikationen.badw.de) ermöglicht es, jede Art von digitalen oder digitalisierten Büchern, Aufsätzen und Abbildungen dauerhaft in zitierfähiger Form bereit zu stellen. Im Zuge einer umfangreichen Retrodigitalisierungsaktion sind sämtliche wissenschaftlichen Schriften der Gelehrtengemeinschaft aus der über 250-jährigen Geschichte der Akademie digitalisiert und online gestellt worden. Der Publikationsserver steht den Forscherinnen und Forschern der Akademie auch für eigene Publikationen („Materialien und Beiträge der BAdW“) oder Zweitveröffentlichungen von Fachartikeln zur Verfügung.

Das Referat für IT und Digital Humanities unterstützt die Forschungsprojekte der BAdW durch Beratung, technische Hilfestellung und Software-Entwicklung bei der Umsetzung ihrer digitalen Vorhaben. Für die Zukunft strebt die BAdW die Vervollständigung des Forschungsdatenangebots und eine konsequente Umsetzung der FAIR-Prinzipien an.

3. Retrodigitalisierung und Langzeitpflege

Die BAdW stellt Forschungsergebnisse und Forschungsdaten langfristig bereit. Durch das Leibniz-Rechenzentrum ist die Archivierung digitaler Daten für beliebig lange Zeit gesichert. 

Die Frage, wie man eine stetig anwachsende Menge heterogener Datenbestände langfristig pflegen und bereitstellen kann, ist – auch wegen fehlender Standards – ein noch nicht abschließend gelöstes Problem der digitalen Geisteswissenschaften. Bisher ist die BAdW zur Pflege und langfristigen Bereitstellung ihrer eigenen Datenbestände gut in der Lage.

Neben den in den Forschungsprojekten schon von vornherein digital anfallenden Daten, ist die BAdW bestrebt, auch die „analogen Daten“ wie z.B. die Zettelkästen aus den Wörterbuchprojekten, zu (retro-)digitalisieren. Die dauerhafte Archivierung der digitalen Daten wird durch das BAdW-eigene Leibniz-Rechenzentrum gewährleistet.

4. Offene Forschungssoftware

Die BAdW tritt für die Veröffentlichung von Forschungssoftware als Open-Source-Software ein. Sie teilt die Quellcodes ihrer Software als „Open Source“ auf gitlab.lrz.de/badw-it.

Besonders in den Geisteswissenschaften ist Forschungssoftware noch ein recht junges Thema. Je nachdem, wie tief Softwareanwendungen in die Forschungsprojekte integriert sind, bildet sie aber einen integralen Bestandteil des Projekts. Zur „Offenen Wissenschaft“ an der BAdW gehört daher – abgesehen von begründeten Ausnahmen - auch die Veröffentlichung der Quellcodes der im eigen Hause entwickelten Software unter einer Open-Source-Lizenz (Apache 2). Das Leibniz-Rechenzentrum stellt mit dem Versionsverwaltungssystem „gitlab“ ein geeignetes „Repositorium“ für die Software-Entwicklung und -Publikation bereit.