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18/04

Informationstheorie - Pilzresistenz - Strafgesetzgebung - Private und öffentliche Aufgaben

Themenvielfalt bei den öffentlichen Montagsvorträgen der Bayerischen Akademie der Wissenschaften im Winterhalbjahr 2004/2005

 

 

18/04
25. Oktober 2004

Themenvielfalt bei den öffentlichen Montagsvorträgen der Bayerischen Akademie der Wissenschaften im Winterhalbjahr 2004/2005

Die schon zu einem festen Bestandteil der Münchener Wissenschaftsszene gewordenen „Montagsvorträge“ in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften beschäftigen sich in diesem Winterhalbjahr mit vier aktuellen Themen aus den Natur- und Geisteswissenschaften. In dieser öffentlichen Vortragsreihe stellen abwechselnd ordentliche und korrespondierende Mitglieder der Philosophisch-historischen und der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse der Akademie ihre aktuellen Forschungsarbeiten in allgemein verständlicher Form einer breiten Öffentlichkeit vor.

Die Vorträge finden im Vortragssaal der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Marstallplatz 8, 1. Stock statt. Beginn ist jeweils 19.00 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Die Themen und Referenten im Winterhalbjahr 2004/2005:

8. November 2004
Prof. Dr.-Ing. Joachim Hagenauer, München
Informationstheorie: Eine praktische Wissenschaft

29. November 2004
Prof. Dr. Regine Kahmann, Marburg
Pflanzenpathogene Pilze: Der Weg von den Symptomen zu einem molekularen Verständnis von Pathogenität

10. Januar 2005
Prof. Dr. Claus Roxin, München
Was darf der Staat unter Strafe stellen? Über die Grenzen der staatlichen Strafgewalt

31. Januar 2005
Prof. Dr. Ludwig Siep, Münster
Private und öffentliche Aufgaben. Philosophiehistorische und systematische Überlegungen

Kurzinformationen zu den einzelnen Vorträgen:
Am 8. November 2004 stellt Prof. Joachim Hagenauer auf anschauliche Weise die neuesten Forschungsergebnisse der Informationstheorie vor. Die von Claude E. Shannon mit einem einzigen Aufsatz im Jahre 1948 begründete Informationstheorie beeinflusst heute fast alle Bereiche der im Informationszeitalter tätigen Menschen. Anhand konkreter Beispiele, wie z.B. die Anwendung der Informationstheorie bei der Übertragung von genetischen Defekten der DNS auf Krankheiten wie Alzheimer, oder die Klassifizierung und Identifizierung von Sprachen und Texten bei strittigen Verfasserschaften, zeigt er, dass es sich um eine durchaus praktische Wissenschaft handelt. In seinem Vortrag geht Prof. Hagenauer aber auch auf folgende praktische Fragen ein:
· Wie stark kann man einen Text oder Bilder komprimieren, d.h. wie viel Speicherplatz beanspruchen diese auf dem Computer, bzw. wie lange dauert die Übertragung im Internet?
· Was ist die minimale Energie, die man aufwenden muss, um eine SMS im Mobilfunk zu
übertragen?
· Kann man digitale Nachrichten sicher verschlüsselt übertragen?

Prof. Dr.-Ing. Joachim Hagenauer ist Inhaber des Lehrstuhls für Nachrichtentechnik und ordentliches Mitglied der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Er ist stellv. Vorsitzender des Ständigen Ausschusses für Ingenieur- und Angewandte Naturwissenschaften der Akademie (BAdW Forum Technologie).

Der Vortrag von Prof. Regine Kahmann, korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, geht am 29. November 2004 der Frage nach, wie man Pflanzen züchten kann, die resistent gegen Pilzbefall sind. Man weiß inzwischen, dass Resistenz gegen Pilze angeboren ist und durch sogenannte Resistenzgene vermittelt wird. Wie aber gelingt es Pilzen, eine Pflanze erfolgreich zu besiedeln und sich dort zu vermehren? Frau Prof. Kahmann, Lehrstuhlinhaberin für Genetik und Direktorin am Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie in Marburg, geht diesen Fragen molekulargenetisch auf den Grund. Als Beispiel dient ihr der Maisbeulenbrand-Erreger.

Der bekannte Münchner Strafrechtsprofessor Claus Roxin stellt in seinem Vortrag am 10. Januar 2005 die Frage nach der staatlichen Bestrafungsbefugnis. Er zeigt u.a. am Beispiel homosexuellen Verhaltens unter erwachsenen Männern, das bis 1969 unter Strafe gestellt war, wie sich die Einstellung der Gesellschaft zum Recht des Staates auf Bestrafung ändern kann. Beruht sie allein auf dem Belieben wechselnder parlamentarischer Mehrheiten, oder gründet sie sich auf ethische, religiöse, ideologische oder staatstheoretische Fundamente? Prof. Roxin, ordentliches Mitglied der Philosophisch-historischen Klasse der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, will in seinem Vortrag Grundlinien einer rationalen Strafgesetzgebungspolitik entwickeln.

Prof. Ludwig Siep stellt am 31. Januar 2005 philosophiehistorische und systematische Überlegungen zum Themenkreis „Private und öffentliche Aufgaben.“ an. Er ist Inhaber des Lehrstuhls für Philosophie an der Universität Münster und korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Die Frage, welche Aufgaben am besten durch private Aktivitäten gelöst werden und bei welchen es sich um Staatsaufgaben handelt, beschäftigt die gegenwärtige politische und wissenschaftliche Diskussion, u.a. im Rahmen der Überlegungen von Public Private Partnership. Güter wie die Qualität des Lebensraumes oder das Niveau von Wissenschaft und Kultur können sowohl private wie öffentliche und „kommunale“ Aspekte haben, aus denen sich unterschiedliche Aufgaben ergeben. Im Anschluss an Aristoteles, Locke, Hegel und moderne Autoren erörtert Prof. Siep die genuinen Güter der verschiedenen privaten und öffentlichen Bereiche.